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It´s jungle out there…oder: Das Sommerloch der Tiroler Tageszeitung

Was macht der Platzhirsch unter den Tiroler Tageszeitungen, wenn das Sommerloch keine Aufreger für den Lokalteil mehr bereit hält?
Man streut diffuse Ängste und suggeriert, daß Tirol ein Dschungel ist, wo es nur so an gefährlichen, unberechenbaren Kriech- und Krabbeltieren wuselt.
Unlängst hat ein verantwortungsloser Tierhalter zwei junge Boa constrictor in Innsbruck am Innufer ausgesetzt – die Tiere wurden schließlich dem Tierschutz übergeben.
Infolge dieses Vorfalles folgte nun schon der zweite Bericht innerhalb weniger Wochen zu dem Thema Exotenhaltung in Tirol. Es wird darin berichtet, daß doch viele der Halter mit der Haltung ihrer Tiere, inbesondere der Reptilien, überfordert seien und die Abgaben daher ansteigen.

Alles in allem entsteht der Eindruck, daß hier ein großes Problem vorliegen würde – das sehe ich als solches nicht, zumal gerade der Fachhandel immer mehr an Aufklärungsarbeit zu leisten versucht.
Vor etwa 5 Jahren hat die Terraristikbranche ihren Höhepunkt erreicht, seither schrumpft dieses Segment der Zoohandelsbranche kontinuierlich.
Ein renommierter Zoohändler dazu auf einer Fachmesse vor 2 Jahren:

Ein Schwerpunkt des Kongresses war aber nicht nur Qualität der Produkte, sondern auch der lebenden Tiere im Zoofachhandel. Unter dem Titel „Die Terraristik: Verramschte Chance oder Markt mit Zukunft“ rückte Jürgen Hoch, Geschäftsführer Import-Export Peter Hoch, die derzeit rückläufigen Absatzzahlen von Bartagame, Natter und Co. in den Fokus.
Seine Forderung: Die Terraristik müsse weg vom Billig-Image. Qualitätsmanagement sei genauso wichtig wie Selbstbewusstsein beim Preis. Außerdem sollten Reptilien, Schlangen und Insekten deutlicher als Heimtiere kommuniziert werden: „Terrarientiere können ebenso artgerecht gehalten werden wie Kleinsäuger“, sagte er. 

Immer mehr tierschutzengagierte Leute, insbesondere jene ohne eigene praktische Erfahrung mit Exoten, fordern Exotenhaltungsverbote. Es erscheint, als ob hier das Phänomen des Zweiklassentierschutzes vorliegt, denn es wird offenbar komplett unter den Teppich gekehrt, daß die Anzahl an abgegebenen Hunden, Katzen oder Nagern ein Vielfaches dessen beträgt als die Anzahl an abgegebenen Exoten.
Streicheltiere wie Hunde, Katzen und Nager sind es, die unsere Tierheime überquellen lassen, nicht eine Handvoll an Reptilien, die beim Tierschutz abgegeben werden.

Es gibt inzwischen verschiedene Initiativen im deutschsprachigen Raum, die sich gegen eine Diskriminierung der Exotenhaltung aussprechen – in Österreich versucht beispielsweise die Gesellschaft für Herpetologie durch Aufklärungsarbeit die derzeit medial aufgeputschte Angst der Menschen vor Reptilien und Amphibien einzubremsen. Darüber hinaus leisten Vereine wie diese auch eine Menge an wertvoller Nachzuchtarbeit für internationale Arterhaltungsprogramme.
Das österreichische Tierschutzgesetz ist eine der fortschrittlichsten Verordnungen in Sachen Tierschutz weltweit. Es bedarf sicherlich keiner Haltungsverbote für Exoten, wenn künftig weiterhin gute Aufklärungsarbeit geleistet wird und für gefährliche Arten Genehmigungspflicht eingeführt wird.
Die meisten Arten sind allerdings völlig harmlos und man darf getrost sagem, daß manche Terrarientiere (z.B. Bartagamen, Geckos, Nattern,…) wirklich geeignete Tiere für Menschen mit Allergien oder wenig Freizeit sind.

Von Tierschutzvereinen wünsche ich mir einen gelasseneren Umgang mit Exoten – die Tierheime sind voll mit Hunden, die aus Zeitgründen abgegeben wurden und Katzen, die man aus Allergiegründen nicht mehr haben möchte.
Und von den Medien wünsche ich mir, daß sie endlich aufhören Exoten (dazu zählen übrigens auch Wellensittiche und Meerschweinchen, wenn man es genau nimmt) auf furcheinflössende Schlangen und Spinnen zu reduzieren. Hier wird mit unterbewußten Ängsten gespielt und man stellt Terrarianer in ein schiefes Licht. Es ist kein Wunder, daß viele Exotenhalter sich gar nicht trauen ihre Tiere beim Veterinäramt zu melden, weil sie durch die negative mediale Berichterstattung fast schon in ein kriminelles Eck gedrängt werden, selbst wenn sie ihren Tieren optimale Haltungsbedingungen bieten.

Autorin: Irene L.


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