Portal der Piraten Partei Tirol

Mehr Mut!

Cheng I Sao (* 1775; † 1844) war mehrere Jahre hindurch Anführerin einer der größten jemals existierenden Piratenflotten der Weltgeschichte. Als die chinesische Regierung um 1810 schließlich die Engländer um Hilfe bittet um die Situation im südchinesischen Meer wieder in den Griff zu bekommen, so handelte Cheng I Sao eine Generalamnestie für die über 17.000 Piraten unter ihrer Führung aus. Ihre Bemühungen waren erfolgreich und so waren alle Piraten von weiterer Strafverfolgung befreit. Cheng I Sao war eine herausragende Persönlichkeit ihrer Zeitepoche.

Eine gängige Journalistenfrage an die heutigen Piratenparteien lautet immer wieder: „Wieso sind bei euch sowenige Frauen vertreten?“ Die Standardantwort darauf, wie unlängst schon einmal erwähnt, lautet ja: „Das ist weil die Piraten aus der IT-Branche rausgewachsen sind und dort sind ja auch sowenige Frauen. Die habens halt nicht so mit der IT.“ Eine etwas unglaubwürdige Antwort, zumal es unter den Piraten nicht gerade besonders viele Leute aus der IT-Branche gibt. Diese sind ungefähr so spärlich vertreten wie Frauen…

Also bin ich auf Spurensuche gegangen und habe einige der wenigen Piratinnen befragt. Meine erste Frage thematisierte, ob seitens der Befragten, denn immer schon ein politisches Interesse bestand oder, ob dieses erst durch die Piraten aufgekeimt sei. Die Antwort war bei allen ein überzeugtes „JA – ich war immer schon politisch sehr interessiert“. Allerdings gab der Großteil der befragten Frauen an, daß bisher noch keine Partei ihr Interesse für einen persönlichen Einsatz geweckt hat.Wieso aber sind politisch interessierte Frauen doch so zurückhaltend, wenn es um Parteiarbeit geht?
Als ich die Frage stellte, wieso denn bislang sowenige Frauen bei den Piraten aktiv mitmachen, so erhielt ich unterschiedliche Antworten, die alle ganz spezifische Probleme betreffen:

  • Piraten erscheinen in ihrem Auftreten oft derb. Man bekommt den Eindruck, daß die „Stammtischatmosphäre“ einen rauhen Umgangston und wenig konstruktive Gesprächsatmosphäre zuläßt. Negativschlagzeilen über Piratengruppierungen tun ihr übriges dazu. Auch seien Raucherstammtische für Nichtraucher ein weiteres mögliches Problem.
  • Frauen sind u.U. skeptisch, weil bislang einfach noch zuwenig Piratinnen in öffentlichen Gremien vertreten sind. Man erhält das Bild einer Männerwirtschaft und denkt möglicherweise, daß Frauen sich deshalb in der Partei besonders hart durchkämpfen müssten um anerkannt zu werden, selbst, wenn dies in der Praxis gar nicht so sei.
  • Frauen haben oft die Mehrfachbelastung von Beruf, Haushalt und Familie zu stemmen. Eine befragte Piratin hat die Beobachtung gemacht, daß bei den Piraten auffällig viele Single-Männer vertreten sind und meint, daß diese wahrscheinlich auch mehr Zeit hätten für Parteiarbeit. Aktive Parteimitarbeit (die ja derzeit bei den österreichischen Piratenparteien ausschließlich ehrenamtlich und ohne Entgelt stattfindet) frißt einfach wahnsinnig viel Freizeit.

Alle genannten Punkte sind ernstzunehmen und es ist an der Zeit, daß sich die Piraten und Piratinnen damit auseinandersetzen und Lösungen erarbeiten. Auch, wenn die Piratenparteien sich gerne mit dem Etikett „post-gender“ schmücken, so ist es fraglich, ob dies denn tatsächlich die Frauen anspricht, denn noch leben wir in einer sehr geschlechterdifferenzierten Welt. Sind wir denn überhaupt schon reif für Postgenderismus?
Eure Irene


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