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COP versus Cops…R.I.P. Heim am Hofgarten

Es mutet schon recht seltsam an, was sich in der Stadt Innsbruck derzeit rund um das geplante Sicherheitszentrum abspielt. Unser Gastkommentar hier im Blog berichtet bereits davon.

Die Sicherheitsbehörden sind ja derzeit an drei Standorten verteilt: Kaiserjägerstrasse, Innrain und Landhaus. Daher spricht sich auch die Polizei grundsätzlich für eine Zusammenlegung der Standorte aus, allerdings am Standort Kaiserjägerstrasse, nicht am Areal der Moser Holding (TT-Areal, ehemal. Schlachthof-Areal, Ing. Etzelstrasse 30) im Stadtteil Saggen, wo es sich die Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (COP) hinwünscht.
Als zweitbeste Variante spricht sich Landespolizeikommandant Tomac für die Beibehaltung der Standorte Kaiserjägerstrasse und Innrain aus. Umso mehr verwundert das Drängen der Bürgermeisterin , daß man das Sicherheitszentrum gegen den Willen der Betroffenen in das Moser-Holding-Areal verlegen sollte.
Das Moser-Holding-Areal gehört eigentlich der Stadt Innsbruck, allerdings hatte sich die Moser-Holding darauf bis 2058 das Baurecht gesichert. (Die Moser-Holding sicherte sich im übrigen schon so allerlei Gewinnträchtiges, so z.B. auch die .tirol-domains)

Daß die mit dem geplanten Sicherheitszentrum verbundenen Grundstücksspekulationen möglicherweise ein weiteres Schäufelchen Mist auf dem Immobilienmisthaufen Innsbrucks darstellen, ist anzunehmen, da die Stadt Innsbruck nun laut Gemeinderatsbeschluß bereit ist, der Moser Holding zu einem völlig überteuerten Preis das Baurecht auf ihrem eigenen Grundstück abzukaufen. So treibt man die Quadratmeterpreise auf dem Immobilienmarkt in die Höhe, und unsere Stadtregierung macht dabei auch noch mit, wie es scheint.

Die Moser-Holding zieht unterdessen gerade um in den PEMA-Turm („Headline“) in der Bruneckerstrasse. Der Rückkauf des Baurechtes für ihr eigenes Grundstück in Saggen kostet die Stadt Innsbruck satte 5 Millionen Euro, was angeblich 3,5 Millionen Euro teurer ist, als die Baurechtsablöse laut einem von der ÖVP zitierten Gutachten wert ist.
Die Stadt Innsbruck will dann das Grundstück (Moser-Holding-Areal) samt Baurecht an einen privaten Investor verkaufen, nämlich die PEMA, in dessen neues Gebäude die Moser-Holding ja soeben eingezogen ist. Und die PEMA soll dann am ehemaligen Moser-Holding-Areal dann das Sicherheitszentrum errichten, das von den Sicherheitsbehörden aber eigentlich gar nicht als Standort gewünscht ist.

Es ist anzunehmen, daß man das mit Sicherheitszentrum versehene Areal dann der BIG (Bundesimmobiliengesellschaft) andrehen möchte, vermutlich um im Gegenzug die dann freiwerdenden Polizei-Gebäude in der Kaiserjägerstrasse und jenes am Innrain von der BIG abzuluchsen.
Das Innenministerium will allerdings den Standort Kaiserjägerstrasse als Sicherheitszentrum ausbauen, was aber nur durchführbar ist, wenn die BIG das Areal des ehemaligen Heimes am Hofgarten in Nachbarschaft zum Polizeigebäude, ankaufen kann, was die Stadt natürlich aus Eigennutz blockiert.
Die Stadt Innsbruck möchte nämlich das Polizei-Areal in der Kaiserjägerstrasse für sich lukrieren um dort, nebst einer Erweiterung des Messeareals und einem Sowi-Nebengebäude, auch ein Studentenheim zu realisieren.

Das vom Seniorenbund geforderte Heim am Hofgarten, für das bereits 2007 ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben war, ist damit offenbar gestorben – sorry, ihr Architekten, für eure überflüssigen Mühen.
Es scheint so, als würden die Interessen der Senioren zwischen Studentenheim und Sicherheitszentrum zerquetscht. Hauptsache, man hat das Heim 2009 fast panikartig geräumt um es, wie versprochen, bis zum Jahr 2011 zu sanieren. Leider ist es nie zu dieser Sanierung gekommen…tragische Pointe in diesem Zusammenhang ist ein verwaister Eintrag auf der ISD-Webseite:

Die Gebäude des „Heim am Hofgarten“ dienten einst als das „Sanatorium der Kreuzschwestern“. Im Jahr 1980 erwarb die Stadt Innsbruck das Areal und integrierte hier ein Wohnheim mit dem Schwerpunkt „ganzheitliche Pflege“. Unter Führung der ISD arbeiteten zuletzt rund 200 Mitarbeiter für das körperliche und seelische Wohl der Bewohner. Gegenwärtig ist nur mehr das Haus D, der modernste Teil des Heimes, in Betrieb. Im Jahr 2009 wird auch dieser Gebäudeteil geschlossen. Bis ins Jahr 2011 wird eine komplette Erneuerung aller Gebäude erfolgen.

Wir bieten derzeit:

  • 45 Heimplätze
  • 42 Arbeitsplätze

„Für Innsbruck“ spricht sich jedenfalls dagegen aus, daß das Seniorenheim am alten Standort neu errichtet wird. Studenten statt Senioren?
Naja, Seniorenheime kosten Geld, Studentenheime bringen Geld ein. Ob das angesichts der Überalterung der Bevölkerung aber so sinnvoll ist? Werden Senioren nun zwangsweise an den Stadtrand gedrängt? Franz Xaver Gruber wurde jedenfalls bereits beauftragt beim Ursulinenorden nachzuhaken wegen eines möglichen Standortes am Fürstenweg.
Ich frage mich ja: warum nicht Studenten und Senioren unter einem Dach als alternatives Wohnkonzept?
Und was sollte – geht es nach den Plänen der Stadtregierung – mit dem Polizeigebäude am Innrain passieren, wenn man es der BIG abluchsen kann? Vielleicht baut die Stadt dann dort auch ein zusätzliches Uni-Gebäude, das man dann wieder an die BIG retour offerieren kann, ebenso wie das zusätzliche Sowi-Gebäude, das in der Kaiserjägerstrasse angedacht ist. Das Projekt „Innsbruck an den Inn“ sieht laut COP jedenfalls den Einzug von Universitäts- und/ oder Klinikteilen vor.

Mir scheint, die Stadt Innsbruck ist selbst ganz dick im Immobiliengeschäft drinnen anstatt sich dafür einzusetzen, daß mit dieser Preistreiberei am Immobiliensektor endlich Schluß ist.
Die Stadtregierung versucht hier auf Biegen und Brechen ein Sicherheitszentrum im hintersten Winkel Saggens gegen den Willen der Exekutive durchzudrücken, um selbst an Grundstücke ranzukommen, die sie wirtschaftlich effizienter vermarkten kann…die Studenten sind offenbar ein lukrativerer Wirtschaftssektor als pflegebedürftige Senioren. Als Argument sagt man, daß 3.000 Studentenheimplätze den 30.000 Studenten gegenüberstehen und, daß man durch Schaffung weiterer Studentenheimplätze ja nur den privaten Wohnungsmarkt entlasten möchte. Daß der private Wohnungsmarkt aber in letzter Konsequenz genau durch solche Immobiliengeschäfte erst recht teurer wird, das wird aber nicht erwähnt.
COP´s Koalitionspartnerin Vizebürgermeisterin Sonja Pitscheider von den Grünen  untermauert diese Hypothese dann auch noch plakativ mit den Worten:

Sollten wir es schaffen, das neue Sicherheitszentrum im Saggen bauen zu können, werden zwei interessante Flächen im innerstädtischen Bereich für Wohnbau frei. Die können wir uns hoffentlich schnappen. Da diese der Bundesimmobiliengesellschaft gehören, steht die Stadt dem nächsten zähen Verhandlungspartner gegenüber.

Verlierer dieses Monopolyspieles sind einerseits die Senioren, die ihr Zuhause im Heim am Hofgarten nun unwiderbringlich verloren haben, und die BIG, denen man ein billigeres Grundstück in hintersten Winkel des Saggen (wo man früher den Schlachthof am Stadtrand angesiedelt hatte) gegen zwei teure Innenstadtgrundstücke unterjubeln möchte. Gewinner sind die Stadt Innsbruck, aber vor allem die PEMA, die offenbar bei allen lukrativen Großbauprojekten involviert zu sein scheint.

Besonders spannend finde ich ein ganz klitzekleines Detail, das von den Medien noch nicht kolportiert wurde: seit 14.Juni 2012 existiert mit der Firmenbuchnummer FN 381734 z
eine  „Ing. Etzel Straße 30 Entwicklungs- und Beteiligungs-GmbH„, welche Markus Schafferer von der PEMA gehört, die wiederum ihren Sitz im PEMA-Gebäude hat, wo ja nun auch die Moser-Holding eingemietet ist. Offenbar war Herr Schafferer sich damals schon ziemlich sicher, daß die Stadt Innsbruck am 25.Oktober 2012 den Rückkauf der Baurechte beschließen wird und, daß die Kaufoption des Moser-Holding-Areals für die PEMA am 8.November 2012 in trockenen Tüchern sein wird.

Am Rande dieser Immobilienverschiebereien ist es ja auch fast schon schwindelerregend, wenn man das Stimmverhalten des fraktionslosen Ex-Piraten Alexander Ofer im Gemeinderat mitverfolgt. In einer Sondersitzung vom 25.10.2012 stimmt Ofer gemeinsam mit „Für Innsbruck“ und den Grünen für den Rückkauf des Baurechts durch die Stadt Innsbruck um 5 Millionen. Am 8. November hingegen stimmte er mit ÖVP, FPÖ, RUDI und Seniorenbund gegen die Kaufoption durch die PEMA für die Errichtung des Sicherheitszentrums aus. Ich wäre ja nun tatsächlich sehr interessiert daran, warum Ofer zwar dafür ist, daß die Stadt 5 Millionen für das Baurecht auf ihrem eigenen Grundstück hinauswirft, aber er dann doch dagegen ist, daß die PEMA dort das Sicherheitszentrum errichtet. Was sollte dann seiner Meinung nach dann mit dem ehemaligen Moser-Holding-Areal geschehen? Leider nimmt er im aktuellen Magazin „Innsbruck informiert“ wieder einmal nicht Bezug auf sein Handeln – vielmehr läßt er seinen Ghostwriter Heinrich ein verwirrendes Plädoyer über den Zustand der Sicherheit in Innsbruck führen. Dieses endet mit den kryptischen Worten:

Ob Tankwart, Sicherheitskräfte oder Polizei: Dank denen, die Risiko nehmen, damit Sicherheit herrsche. Vorwärts Tiroler Schützer!!!

Man muß nicht verstehen, welchen Anteil die Innsbrucker Tankwarte an der öffentlichen Sicherheit in der Stadt Innsbruck nehmen. Nein, das muß man nicht verstehen…aber man sollte verstehen, was sich hinter den Türen der Innsbrucker Stadtregierung so alles abspielt und, welche Geschäfte da gedeixelt werden.

Autorin: Irene Labner
Bildquelle: tirismap


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