Portal der Piraten Partei Tirol

Einen Publikumsjoker für den Wähler!

Sind wir Piraten ein Hirnkollektiv? Kann Basisdemokratie und Entscheidungsfindung in der Gruppe bessere Politik produzieren? Ist es gut, wenn alle mitreden können, oder verirren wir uns im Turm zu Babel? Denken mehr Köpfe effizienter als einige wenige? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse gibt es zur Schwarmintelligenz?

James Surowieki hat ein Buch geschrieben mit dem Titel „Die Weisheit der Vielen – weshalb Gruppen klüger sind als Einzelne.“ In seinen Untersuchungen kam er zum Schluß, daß nicht alle Gruppen klug sind – ähnlich wie Elias Canetti in seinem epochalen Werk „Masse und Macht“, sagt Surowieki, daß aufgebrachte Menschenmengen bzw. Menschenmassen, die unter der Kontrolle einer manipulativen Führungsperson stehen, voreingenommene und radikale Entscheidungen treffen. Daher stellt er vier Schlüsselkriterien auf, die Gruppen mit intelligenter Entscheidungsfindung kennzeichnen:

  1. Meinungsvielfalt: Jeder Mensch besitzt unterschiedliche Informationen über einen Sachverhalt, so dass es immer zu individuellen Interpretationen eines Sachverhaltes kommen kann.
  2. Unabhängigkeit: Die Meinung des Einzelnen ist nicht festgelegt durch die Ansicht der Gruppe.
  3. Dezentralisierung: Hier steht die Spezialisierung im Mittelpunkt des Fokus, um das Wissen des Einzelnen anzuwenden.
  4. Aggregation: Es sind Mechanismen vorhanden, um aus Einzelmeinungen eine Gruppenmeinung zu bilden.

Die Piraten fordern freien Zugang zu Bildung, sie lehnen autoritäre Führungsstile ab, verteidigen die Freiheit und die Rechte des Einzelnen und sie möchten die Mitbestimmung jedes Menschen mittels Onlineabstimmungsmöglichkeiten (Liquid democracy) fest in der Politik verankern. Wenn man sich Surowiekis Kriterien ansieht und diese auf die Piraten überträgt, so haben die Piraten möglicherweise mit ihrer basisdemokratischen Parteistruktur den Schlüssel für intelligentere Politik in der Hand. Sie müssen eigentlich nur ihren Grundsätzen treu bleiben, denn sonst schleichen sich Fehler ein, die vorurteilsbehaftete Entscheidungen herbeiführen.

Surowiecki untersuchte Situationen, in denen die Gruppe einen sehr schlechten Ruf aufbaute und argumentierte, dass in diesen Situationen das Wissen oder die Zusammenarbeit fehlerhaft sei. Dies geschah seiner Ansicht nach dadurch, dass die Gruppenmitglieder zu sehr auf die Ansichten anderer Menschen hörten und ihnen nacheiferten, statt sich selbst ein Bild über die Situation zu machen und zu differenzieren. 
http://de.wikipedia.org/wiki/Die_Weisheit_der_Vielen

Die Psychologie der Masse ist ein faszinierendes Forschungsgebiet. Massenpsychologie ist leider recht negativ besetzt, da man die Erkenntnisse dieser Wissenschaft eigentlich immer dazu genutzt hat um Menschen zu manipulieren. Dabei gibt es ganz unglaublich positive Beobachtungen im Rahmen dieses Forschungszweiges.

Auch Anita Wolley fand heraus, daß Gruppen über eine stabile kognitive Intelligenz verfügen. Dabei ist es nicht relevant wie hoch der Intelligenzquotient der einzelnen Gruppenmitglieder ist, sondern vielmehr wie gut die „soziale Sensibilität“ der Gruppenmitglieder gelagert ist.

„Sozial sensible Gruppenmitglieder zu haben wirkt sich immer positiv auf die kollektive Intelligenz aus, unabhängig davon, ob diese nun Frauen oder Männer sind“….Co-Autor Thomas Malone von der MIT Sloan School of Management hat jedenfalls eine einprägsame Kurzformel für die vorliegenden Ergebnisse gefunden. Er sagt: „Einen Haufen kluge Leute in der Gruppe zu haben macht noch lange nicht die Gruppe klug.“ http://science.orf.at/stories/1664101/

Vielleicht sehen sich die Piraten deshalb als die Hüter der Netzfreiheit, da sie sich bei Benützung des „Lebens- und Kommunikationsraumes Internet“ auch als Teil eines größeren Ganzen sehen.

Francis Heylighen, Kybernetiker an der Vrije Universiteit Brussel, betrachtet das Internet und seine Nutzer als Superorganismus: „Eine Gesellschaft kann als vielzelliger Organismus angesehen werden, mit den Individuen in der Rolle der Zellen. Das Netzwerk der Kommunikationskanäle, die die Individuen verbinden, spielt die Rolle des Nervensystems für diesen Superorganismus”. Der Schwarm ersetzt das Netzwerk dabei also nicht, sondern bildet nur die Basis. Diese Sicht geht konform mit der Betrachtung des Internets als Informationsinfrastruktur. Die Bedeutung des Begriffes verschiebt sich dabei jedoch weg von künstlicher Intelligenz hin zu einer Art Aggregierung menschlicher Intelligenz. http://de.wikipedia.org/wiki/Kollektive_Intelligenz

Durch das Internet ist es erstmals möglich unabhängig voneinander an verschiedenen Orten ohne Zeitverzögerung an einer gemeinsamen Kommunikation teilzunehmen. Entscheidungsfindung kann von Gruppen sogar über große Distanzen hinweg in Echtzeit ermöglicht werden. Man braucht sich dazu nur ins Kollektiv einzuklinken, wenn man teilnehmen möchte.
Piratenpolitik und Internet sind insofern untrennbar miteinander verbunden – das Internet ist unser Kommunikationsmedium, das wir zur Umsetzung unserer Ziele benötigen. Im Internet finden wir Information, Kommunikation und Abstimmungsmöglichkeiten.

Sie kennen die „Millionenshow“? Der Publikumsjoker wird ermittelt durch das Kollektiv an Zuschauern – er trifft in über 90% aller Abstimmungen das richtige Ergebnis auf die Fragestellung. Das Tolle an kollektiver Intelligenz ist: je mehr Leuten mitmachen, desto geringer wiegen arge Fehleinschätzungen eines Einzelnen.
Vielleicht können ja die Piraten bei den in Österreich im kommenden Jahr 2013 anstehenden Wahlen der Publikumsjoker für die Wähler sein, die mit der Politik der etablierten Parteien nicht mehr zufrieden sind.

Autorin: Irene Labner
Bildquelle: wikipedia


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *