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Der verschwundene Hund und das Orwell´sche Wahrheitsministerium

Vor wenigen Tagen hätte eine Twitter-Falschmeldung fast einen ernsten, militärischen Konflikt zwischen den Atommächten Israel und Pakistan verursacht:
„Das jüngste Beispiel von „Fake-News“, also gefälschten Nachrichten, führt auf explosives Terrain: Weil Pakistans Verteidigungsminister Khawaja Asif sich von einem erfundenen Bericht angegriffen fühlt, droht er Israel indirekt mit der atomaren Auslöschung.“ 
(Zitat t-online)

Im Internet kursierende Fake-News sind derzeit das Aufregerthema schlechthin. Nun sorgten sie erstmals für einen weltpolitischen Zwischenfall. Das Problem sind allerdings nicht die Falschmeldungen an sich, sondern die mangelhafte Prüfung von Quellen und Fakten. Und das ist beileibe nicht neu…es ist ein Problem, das die Menschheit wohl schon lange begleitet.

Am 26. September 1983 ist die Welt, wie schon einige Male zuvor während des Kalten Krieges, knapp an einem Atomkrieg vorbeigeschrammt.
„Damals gab es in der Kommandozentrale der sowjetischen Satellitenüberwachung den Alarm, zahlreiche US-Atomraketen befänden sich im Anflug. Der leitende Offizier Stanislaw Petrow hatte die Nerven, seinem Radargerät zu vertrauen, das nichts davon bestätigte. Erst später wurde klar, dass es sich um eine seltene astrale Konstellation gehandelt hatte. Sonnenstrahlen erzeugten in den Satellitensensoren Spiegelungen, die wie Raketenstarts aussahen.“

Falschmeldungen können tatsächlich Kriege verursachen.

pic: eco-communications.net

Während meines Studiums belegte ich eine Vorlesung von Professor Wulf Schievenhoevel. Unser Professor berichtete oft von seinen Forschungsexpeditionen nach Papua Neuguinea. Er erzählte, dass es dort unter den Ureinwohnern immer wieder zu Stammesfehden kam, die oftmals sehr blutig endeten. Einmal entsponn sich ein tagelanger Krieg, weil die Stammesmitglieder des einen Clans die Angehörigen des Nachbarclans beschuldigten, dass sie einen Hund gestohlen hätten. Nachdem der Kampf viele Opfer forderte und die Kampfhandlungen eingestellt waren, tauchte wenig später auch der gestohlen geglaubte Hund wieder auf. Er war wohl einfach nur für eine Weile im Dschungel verschwunden gewesen.

Diese Geschichte ermahnt mich angesichts der derzeitigen Diskussionen rund um Fake-News immer daran, dass man nur mit Besonnenheit zu einer Lösung gelangen kann.
Nachdem der us-amerikanische Wahlkampf stark von Internetfalschmeldungen, die in sozialen Netzwerken und von Journalisten multipliziert wurden, beeinflusst wurde, haben nun auch die europäische Politik und einige Social Media Konzerne reagiert.
Das deutsche Innenministerium fordert etwa eine eigene Abwehrzentrale gegen Fakenews. Und Facebook-Chef Mark Zuckerberg kündigte an, dass die Plattform Falschmeldungen künftig kennzeichnen und ihre Reichweite reduzieren wolle.

Was passiert da gerade?
In meinen Augen steuern wir geradewegs in die Beschränkung der Medien- und Meinungsfreiheit.
George Orwell zeichnete in seinem Roman „1984“ düstere Prognosen. Inzwischen müssen wir befürchten, dass uns Zensur und Bespitzelung nicht mal mehr heimlich nur durch die Hintertüre, sondern sogar beim Vordereingang hereingeliefert wird.
Meldungen, die zensuriert und entfernt werden, sind ja letztlich nicht mehr für eine Überprüfung greifbar. Satire würde wahrscheinlich ebenfalls entfernt, was an Meinungsdiktatur á la Erdogan erinnert.

Kommt bald das Orwell´sche Wahrheitsministerium?
Und, was geschieht dann in unseren Köpfen? Heizt Zensur Verschwörungstheorien nicht erst recht an? Immerhin ist der Hund ja trotzdem bis auf weiteres verschwunden.

Autorin: Irene Labner


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