Portal der Piraten Partei Tirol

Ethereum – Die Welt in einer ‚Blockchain‘ – Teil 3

WS-43356-20100802-0118944

Bildquelle: https://www.coindesk.com

Teil 3 – Ethereum

„Showdown“

Wann immer Menschen miteinander handeln legt Vertrauen die Grenzen dieses Handels fest. Niemand kauft oder verkauft  wenn er nicht darauf vertraut, dass das Geschäft ordnungsgemäß abgewickelt wird. Kein Vertrauen bedeutet kein Geschäft und sobald dieses Vertrauen wie etwa im Familien und Freundeskreis nicht von vornherein vorhanden ist, muss es anderswie hergestellt werden.
In der Regel wird dies von dritter Seite gewährleistet. Banken, Zahlungsdienstleister, Treuhänder,  Anwälte, Notare, die Mittelsmänner in Geschäften ersetzen ansonsten fehlendes Vertrauen.
Sie lassen sich das auch gut bezahlen, aber was noch viel schwerer wiegt, sie müssen, um ihre Funktion zu erfüllen mit Macht ausgestattet werden. Die Vollmacht hat ihren Namen zu recht. Vielfach schließen sich Mittelsmänner zu Standesvertretungen zusammen die die Macht haben Mitglieder zu sanktionieren.
Vertrauen wir also über ein hierarchisches zentralistisches System bereitgestellt. Ein vorläufiges Ende findet die Hierarchiekette in den Staaten und dann supranationalen Zusammenschlüssen wie die Europäische Union. Jede einzelne Ebene verfügt über mehr Macht als die darunterliegenden. Wohin die Reise geht zeigt die Diskussion um die Schiedsgerichte rund um TTIP. Wenn Staaten und Supranationale Organisationen sich nicht ausreichend vertrauen um Handel zu ermöglichen entsteht in diesem System die Notwendigkeit eine weitere übergeordnete Ebene eben die Schiedsgerichte zu schaffen. Das eigentliche Problem dabei ist nicht, dass Konzerne Staaten verklagen können, sondern dass Einrichtungen geschaffen werden (müssen), die Mächtiger als die Staaten aber auch die Konzerne sind. Gleichzeitig nehmen mit jeder Hierarchieebene demokratische Kontrollmöglichkeiten ab.

„Wir sind 100%“

Wie bereits im vorigen Teil am Beispiel Bitcoin gezeigt, sind Blockchains in der Lage Vertrauen mittels voller Transparenz dezentral zu gewährleisten. Vertrauen ist die Deckung der Währung Bitcoin.
2013 beschrieb der heute 21-jährige Vitalik Buterin die Grundzüge von Ethereum.
Bitcoins, oder besser gesagt Blockchains sollten programmierbar und damit universell werden. Das Crowdfunding-Projekt zur Umsetzung erzielte  18 Mio. Dollar und reiht sich damit unter die 5 erfolgreichsten aller Zeiten ein.
Heute, drei Jahre später, ist die Entwicklung so weit fortgeschritten dass man annehmen kann, dass die Idee auch tatsächlich realisiert werden kann.
Universell bedeutet, nicht nur der Besitz von Geld, sondern der Besitz jedes beliebigen Wertes dokumentiert und damit beweisbar gemacht werden kann. Aber Ethereum geht noch einen Schritt weiter. Die Programmierbarkeit ermöglicht sogenannte „Smart Contracts“. Vereinbarungen und Verträge werden als Computerprotokoll abgebildet und führen sich teilweise auch selbsttätig aus.
Ein Smart Contract für einen Onlineverkauf könnte etwa beinhalten, dass die Bezahlung in dem Moment ausgelöst wird, in dem die Sendung den Status  zugestellt wechselt.


„Zeitreise – Zukunft“

board-1273128_640

Bildquielle: https://pixabay.com

Für Familie, nennen wir sie einfach Bitsons, ist heute ein glücklicher Tag.
Ihre Tochter Ylvi hat gerade das Licht der Welt erblickt. Der Familie steht eine aufregende, aber auch anstrengende Zeit bevor. Da ist es eine Erleichterung, dass der gesamte „Bürokratiekram“ bereits unmittelbar nach der Entbindung erledigt werden konnte. Das Krankenhaus übermittelt den genauen Geburtszeitpunkt und den Hashwert eines eindeutigen biometrischen Profils an die, von den Eltern vorab für die Neugeborene, erstellte digitalen Brieftasche. Ihre Tochter ist damit auch in der Blockchain geboren. Die Bestätigung löst automatisch die Auszahlung des bedingungslosen Grundeinkommens für die neue Erdenbürgerin aus. Die Eltern bleiben längstens bis zur Erreichung der Geschäftsfähigkeit über die digitale Brieftasche ihrer Tochter verfügungsberechtigt. Sie werden mit dem Geld ihres Kindes jedoch verantwortungsvoll umgehen, da jede Transaktion gespeichert und auch im Nachhinein einsehbar bleibt. Ebenso automatisiert wird in späteren Jahren die Berechtigung zur Teilnahme an Abstimmungen aktiviert. Im Laufe der Jahre füllt sich die digitale Brieftasche von Ylvi, neben dem eigenen Vermögen  auch mit Bildungsabschlüssen, erworbenen Rechten, kurz mit allem was beweisbar bleiben muss. Vielleicht ist der Ausdruck digitale Brieftasche irreführend. Tatsächlich sind sämtliche Daten natürlich verschlüsselt in der Blockchain gespeichert. Die digitale Brieftasche ist in Wirklichkeit das Programm das es erlaubt die Teile der Blockchain die die eigenen  Daten enthalten, zu entschlüsseln und darüber zu verfügen. Ylvi erhält und behält also ab dem  Zeitpunkt an dem die Verfügungsberechtigung der Eltern automatisiert gelöscht wurde, die alleinige Kontrolle über ihre Daten.

Natürlich ist das jetzt noch Sciencefiction. Der Realisierung stehen aber weniger technische Hindernisse entgegen. Viel schwerwiegender sind vermutlich zu erwartende gesellschaftliche Widerstände.

Aber darum geht es im nächsten und diesmal hoffentlich wirklich letzten Teil.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *