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Österreichs Rüstungsindustrie – Teil 2: Die Firmen

Die Firmen:

Deutscher IS-Suizidattentäter mit Steyr AUG

Zu Österreichs Rüstungsindustrie zählen im engeren oder weiteren Sinne alle Firmen, die Waffen, Waffenteile, Munition und Waffenzubehör liefern. Es gibt hier zudem eine Grauzone, denn einzelne Betriebe wie z.B. die Tiroler Firma Plansee liefern etwa nur Legierungen, die bei panzerbrechender Munition zum Einsatz kommen. Oder sie produzieren Produkte, die im zivilen wie auch militärischen Bereich gleichermassen Verwendung finden, so z.B. die Zielfernrohre von Kahles und Swarovski oder der Camcopter der Firma Schiebel. Auch ein Pistolenhersteller wie Glock, der Handfeuerwaffen in alle Welt liefert, ist eher im Randbereich der Rüstungsindustrie anzusiedeln, da seine Produkte eher im zivilen Bereich oder im Rahmen von Polizeiausrüstung Verwendung finden und weniger dem Bereich von Kriegsmaterialien im eigentlichen Sinne zuzuordnen ist. Aber klarerweise können aber auch Handfeuerwaffen im Krieg eingesetzt werden.
Die ASW, also die „ARGE Sicherheit und Wirtschaft“ der Wirtschaftskammer Österreichs, über die ich im vergangenen Artikel berichtet habe, vertritt die Interessen von Rüstungsfirmen im engeren Sinne, als auch von ihren Zulieferern, sowie von Firmen, die gar nicht in den Bereich der Rüstungsindustrie fallen. Dennoch möchte ich nun einen Blick auf ein paar der Firmen werfen, die hier von der ASW unterstützt werden.

Die Firma Madritsch KG, ursprünglich eigentlich ein Motoreninstandsetzungsbetrieb, hat ihr Produkt- und Dienstleistungsspektrum schon lange erweitert – sie produzieren nicht nur Sturm- und Präzisionsgewehre, sondern auch handliche Granatwerfer samt Munition. (siehe auch das theatralische Werbevideo hier rechts)
Ganz spannend finde ich übrigens auch die AGB der Firmenhomepage…besucht man die Homepage, so werden IP-Adresse des Besuchers gesammelt und gespeichert um daraus zu ermitteln aus welcher Region der Besucher kommt, welche Browsereinstellungen er verwendet und welche Seiten er anklickt.

Die Firma Hirtenberger hat einen eigenen Geschäftszweig für „Defense systems„. Interessant, daß Waffen immer nur zum Zwecke der „Selbstverteidigung“ vermarktet werden.
Hirtenberger Defense Systems produziert Granatwerfer, Mörsergranaten, Panzergranaten, Panzermunition.
Im Jahr 2010 wurden in afghanischen Talibanverstecken Granatwerfer der Firma Hirtenberger gefunden. Für die Firma Hirtenberger war es damals unerklärlich, wie die Waffen in den Besitz der Terroristen gekommen waren, daß sie bestimmt gestohlen oder sehr alt sein müßten, da Österreich ja nach dem Noricum-Skandal sehr strenge Auflagen für Waffenexporte eingeführt hat.
Hirtenberger ist jedenfalls seit 155 Jahren im Geschäft – als Munitionshersteller belieferte er in zwei Weltkriegen die heimische Armee. Ab 2004 hat Hirtenberger Defense Systems die Kleinkaliberproduktion aufgegeben, der erfolgreiche Großkaliberbereich blieb. In der 150-Jahre Festschrift zum Firmenjubiläum heißt es: „Heute stellt die HDS einen potenten Anbieter von Artillerie-, Werfer- und Panzermunition sowie Granatwerfern dar, der vornehmlich europäische Armeen sowie die traditionellen Märkte der HP im mittleren und fernen Osten sowie in Lateinamerika bedient“

Steyr Mannlicher ist einer jener Betriebe, der verhältnismäßig häufig für Negativschlagzeilen sorgte. Es ist einer der vielen Steyr-Daimler-Puch-Ableger, von denen einer übrigens auch Panzerfahrzeuge herstellt. In Österreich vermarktet sich das Unternehmen primär als Jagd- und Sportwaffenhersteller. Doch noch im Header der Homepage ist ein Link auf die Webseite „Military and Law Enforcement“ gesetzt…diese Seite wird dann für die internationale Kundschaft auch nur in englischer Sprache betrieben. Steyr Mannlicher baut Pistolen, Präzisions- und Sturmgewehre, sowie Granatwerfer.
Besonders bekannt sind die Steyr AUG, die Steyr Armee-Universal-Gewehre, in Österreich bekannt als StG77 (Sturmgewehr77)

Steyr Mannlicher geriet in der Vergangenheit schon häufiger in die Kritik. Von 2005-2007 verhängte die US-Regierung sogar ein Embargo gegen das Unternehmen, weil bekannt wurde, daß es mit Genehmigung der Bundesregierung bis zu 800 Präzisionsgewehre in den Iran verkauft hat.
In jüngerer Zeit tauchten Steyr AUG immer wieder in den Händen von Terroristen auf, so z.B. bei den Attentätern auf eine pakistanische Schule 2014 oder bei syrischen und irakischen Islamisten.
Das Unternehmen verweist nach Bekanntwerden solcher Fakten meist darauf, daß die Gewehre sicher nicht aus Österreich dorthin verkauft wurden und, daß es sich um Nachbauten handle. Steyr-Gewehre werden als Lizenzanfertigungen nämlich auch in anderen Ländern produziert, z.B. Malaysien, den USA und Australien. Auch, wenn Steyr Mannlicher sich hier nicht als Verantwortlichen sieht, dennoch schneidet das Unternehmen freilich Lizenzgebühren mit.
Außerdem hat der Betrieb seine Sturmgewehrproduktion in Form eines Joint Ventures mit dem NADI-Konzern ab 2004 nach Malaysien verlagert. Bei einer Jahresproduktion von etwa 20.000 Gewehren, fährt das Unternehmen hier gute Gewinne ein und umgeht darüber hinaus noch die strengen Exportauflagen Österreichs und der EU. Bereits 2004 äußerte Amnesty International in einem Bericht große Besorgnis, denn Malaysien, ein orthodox-islamisches Land, hat bei weitem keine so strengen Auflagen für Waffenexporte, wie wir sie aus Europa kennen. Malaysien vertreibt das Steyr AUG3 nach Aussagen des damaligen malaysischen Verteidigungsministers Razak in 40 Länder, darunter auch Länder des Nahen Ostens.

Es gibt noch viele Unternehmen, die von der Wirtschaftskammer durch die ARGE Sicherheit und Wirtschaft vertreten werden, bei denen sich ein genaueres Hinsehen lohnen würde. Wir finden darunter zum Beispiel auch Firmen, die Software für Raketenleitsysteme für Armeen herstellen, Hersteller von Panzerfahrzeugen, Dronenhersteller, uvm.

Eine Firma, die ich noch gerne etwas näher betrachten möchte, wenngleich sie nicht zu den Produzenten der Rüstungsindustrie zählt, das wäre die Firma ProOriente Consultationes. Diese Firma bietet Unterstützung und Beratung bei der Anbahnung von Geschäftskontakten in den Nahen Osten an. Bis vor wenigen Tagen war auf der Homepage auch noch eine Arabisch-Dolmetscherin eingetragen, diese fehlt heute eigenartigerweise auf der Seite…das Arabisch-Dolmetsch-Angebot ist also derzeit „under construction“.
Der Geschäftsführer der Firma, Herr Berndt Wesiak, war vor der Selbständigkeit gemäß seinem Xing-Profil zuerst jahrelang Offizier beim Bundesheer, danach Mitarbeiter beim Dronenhersteller Schiebel (2006) und bei Hirtenberger (2006-2012). Es verwundert daher nicht weiter, daß eine vordergründig als Wirtschaftsberatung tätige Firma wie die ProOriente Consulationes über eine Gewerbeberechtigung für die Vermittlung von Waffenhandel verfügt.

Wer sich näher mit den Firmen beschäftigen möchte, die von der ASW, der ARGE Sicherheit und Wirtschaft, vertreten werden, hier noch einmal der Link:  http://www.wkoarge.at/asw/firmen-leistungen/

Link zu Teil 1 der Artikelserie: Österreichs Rüstungsindustrie – Teil 1: Die Lobby
Teil 3: Österreichs Rüstungsindustrie – Teil 3: Die Zahlen

Autorin: Irene Labner


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